Deutsches Fotomuseum




Anonymus, Schleiertanz, um 1920
Kurt Reichert, aus der Serie "Schön und rein", 1935
Lehnert und Landrock, Orientalische Schönheit, 1900
Anonymus, Pariser Pikanterie, um 1860
Karin Székessy, La belle et le monstre, 1996
Jeanloup Sieff, Frau mit Gesichtsschleier, 1985

180 Jahre Fotografie

Die Ästhetik der Lüste
erotische Fotografien von den Anfängen bis heute


Ausstellung im Deutschen Fotomuseum
vom 18. August 2019 bis zum 30. Dezember 2019

Am 19. August 1839 wurde die Erfindung der Fotografie erstmals
in Paris öffentlich bekannt gegeben. Aus diesem Anlass startet das
Deutsche Fotomuseum eine Ausstellungsreihe zum 180. Geburtstag
der Fotografie.

Die Ausstellung mit erotischen Fotografien von 1860 bis zur Gegenwart
aus der Sammlung des Deutschen Fotomuseums zeigt den ständigen
Wandel der moralischen Maßstäbe und die damit einhergehenden
Veränderungen des menschlichen Schönheitsideals. Seit den Anfängen
der Fotografie gibt es kaum ein fotografisches Sujet, das stärkere
Aufmerksamkeit auf sich zieht, als der nackte menschliche Körper.
Deutlicher als andere Themen und Motive offenbart die Aktfotografie das
Verhältnis des Menschen zu sich selbst und zur Welt. „Die Menschheit“,
schrieb Walter Benjamin, „die einst bei Homer ein Schauobjekt der
Olympischen Götter war, ist es nun für sich selbst geworden.“

Die Ästhetik der Lüste zeigt, wie sich das Körperbild, der erotische
Geschmack und die öffentliche Meinung und Vorstellung von Moral
und Sittlichkeit verändert haben. Schon die so genannten Pikanterien
im 19. Jahrhundert waren Traumbild und Wunscherfüllung zugleich,
indem sie das gängige Schönheitsideal verkörperten und als Fetischobjekt
dienten. Während die frühen Aktfotografien noch stark tabuisiert waren,
entwickelte sich nach dem 1. Weltkrieg eine gewisse Normalität im Umgang
mit dem Abbild des nackten menschlichen Körpers.

Im 20. Jahrhundert veränderten sich die moralischen und ästhetischen
Maßstäbe in immer kürzeren Abständen. Seither sind Nacktheit und Erotik
zu einem derart strapazierten Motiv der Massenkultur geworden, dass sich
für die künstlerische Fotografie die aktuelle Aufgabe stellt, dem Körperbild
wieder Menschlichkeit zu verleihen.