Deutsches Fotomuseum




Bertram Kober, Grimma, 2014
Bertram Kober, Borna, 2007
Bertram Kober, Thierbach, 2015Thierbach, 2015

Bertram Kober

Aufstand der Dinge


Ausstellung im Deutschen Fotomuseum
vom 10. Juli 2022 bis zum 05. März 2023

Der Leipziger Fotograf Bertram Kober zeigt in brillanten großformatigen
Fotografien, wie surreal der Alltag sein kann. Er macht kulturelle Verwerfungen
unserer Zivilisation sichtbar, die den Verdacht nähren, dass es vielleicht schon
5 Minuten nach 12 sein könnte.

Mit stilistischer Meisterschaft extrahiert Kober Momente der Realität, die uns
den selbst verursachten Wahnsinn des täglichen Lebens bewusst machen.
Die eindringlichen Bilder rufen beim Betrachter Unsicherheit, wenn nicht
Bestürzung hervor.

Es ist nicht ersichtlich, ob die Plastik-Madonna im Kaufhaus zur Andacht
einlädt, oder käuflich ist. Betroffenheit verursacht der Sonnenuntergang
am Meer mit ölverpestetem Strand oder ein toter Fuchs auf der Autobahn,
der an unser Mitleid appelliert und doch so beiläufig erscheint.

Bertram Kober beobachtet den Aufstand der Dinge, die sich nicht mehr fügen
wollen, weil die allgegenwärtige Übergriffigkeit der Menschheit ihr Sein verletzt.
Kobers Fotografien zeigen, was Viele nicht wahrhaben wollen: Je intensiver wir
die Dinge nutzen, desto mehr entziehen sie sich der Verfügbarkeit.

Als Chronist des Welt-Verbrauchs, öffnet er uns die Augen dafür, dass die
Dinge nicht grenzenlos unterdrückbar sind, dass ihre Ausbeutung nicht
endlos fortgesetzt werden darf. Die Fotografien bezeugen auch, dass die
geschundenen Dinge längst im Begriff sind, sich gegen ihre Unterdrücker
zu erheben.

Der Kunsthistoriker Peter Guth nannte Kober „einen Moralisten in bester
Tradition der Aufklärung, der sich niemals als Oberlehrer geriert.“
Er wagt es wie kein zweiter, mit feiner Ironie die Legitimität unseres Alltags
in Frage zu stellen.